Das Geld ist heute in erster Linie durch den menschlichen Körper gedeckt, so die These von Christina von Braun, Professorin der Kulturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin. Im MONTAGSRADIO, Ausgabe 06/2012, sprechen Markus Heidmeier und Jochen Thermann mit Christina von Braun, Professorin für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, über die Geschichte des Geldes und ihr Buch “Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte”.

Geld betrifft jeden. Es ist die Grundlage des Wirtschaftslebens, organisiert Arbeit, menschliche und staatliche Beziehungen und regelt in der Form von Renten und Erbe die Verhältnisse zwischen Generationen. Doch immer wieder gerät das Geldsystem in die Krise. Der Glaube ans Geld schwindet. 2008 hat eine Finanzkrise den globalen Kapitalismus erschüttert, zur Zeit erleben wir eine Schulden- und Währungskrise in Europa. Die Krise des Finanzkapitalismus ist zugleich eine Krise des Geldes und des Glaubens an den Wert des Geldes. Wodurch sind Geld und Schulden heute eigentlich gedeckt?

Konnten in früheren Zeiten materielle Gegenwerte wie Gold oder staatliche Autorität den Wert des Geldes verbürgen, kommt in der kulturgeschichtlichen Analyse von Christina von Braun ein alter, vergessener Gegenwert des Geldes zum Vorschein: Geld stand zur Zeit seiner Einführung im antiken Griechenland für ein Götteropfer. Christina von Braun ist in ihrem Buch “Der Preis des Geldes” den kulturgeschichtlichen Implikationen des Geldwesens nachgegangen und kommt zu unheimlichen Schlussfolgerungen: Geld steht in einer Kette von symbolischen Stellvertretungen und Beglaubigungen, an deren Ende der menschliche Körper steht. Söldner und Prostituierte sind nicht nur als neue Berufe mit dem Geld entstanden, sie verkörpern auch unmittelbar, wodurch Schulden letztlich beglichen werden können.

Und hier noch die Timeline zu dem Gespräch:

1:00 Beglaubigungen des Geldes

5:00 Opfer und Geldzeichen

8:00 Menschenopfer, sozialer Tod und Geldsystem

10:00 Körper decken Kapital

15:00 Abstraktion des Geldes und seine Macht

17:00 Entmaterialisierung des Geldes begleitet von erhöhter Tötungsfähigkeit und (Re)Produktion

19:30 das Geld schafft zwei neue Berufe: der Söldner und die Prostituierte

21:30 Wirkmächtigkeit der Geldtradition

24:30 soziale Gerechtigkeit als Gegenpol

25:30  Glaube ans Geld und Glaube an die Gemeinschaft

27:00 EU-Währungskrise als Glaubenskrise

29:00 Gefahren einer Glaubenskrise und Glaubensgemeinschaft

34:00 Papiergeld, Demokratisierung, soziale Mobilität

36:00 Kultur ohne Geld? Allmende und Internet

40:00 Digitales Geld

43:30 Geld und Scham

45:00 Geld im Islam, im Judentum und Christentum

47:00 Fragebogen